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Am 19. Mai 1993 fand mit dem 4. Niedersächsischen Kinderfilmtag im Kulturhaus »Alter Schützenhof« ein besonderes Ereignis statt.
»Der Kinderfilmtag wurde bisher ausschließlich in Walsrode veranstaltet. Achim kam durch sein perfekt ausgestattetes Kulturzentrum Schützenhof sowie die guten Kontakte des Kommunalen Kinos zu den Veranstaltern zu der Ehre. Vorstandsmitglieder der LAG (Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Film) entdeckten das Haus mit seinen guten Voraussetzungen für so eine Großveranstaltung bei einem Besuch des KOKI. Außerdem sprach für Achim, dass das KOKI bereits seit 13 Jahren ein Programm für junges Publikum anbietet…«
(Achimer Kurier, 15.5.1993)

 

»Den ganzen Tag lang herrschte ein buntes Gewimmel im luftballongeschmückten Kulturhaus. Vormittags schauten sich Schulkinder aus Achim und Posthausen Spiel-, Dokumentar- und Zeichentrickfilme an, nachmittags kamen Mädchen und Jungen aus den Kindergärten. Aufgeregt durcheinanderplappernd warteten sie ungeduldig vor dem Kino-Saal … Die Kinder hatten zudem Gelegenheit, mit Regisseuren und kleinen Filmstars zu sprechen …« (Achimer Kurier, 21.5.1993)
Zu den Gästen zählte auch der renommierteste deutsche Kinderfilm-Regisseur Rolf Losansky. Auf die Fragen »Was halten Sie generell von diesem Kinderfilmtag in Achim? Ist das ein willkommenes Forum?« antwortete er laut Achimer Kurier vom 21. Mai 1993:
»Für mich ist das ein sehr willkommenes Forum. Der Kinderfilm braucht diese Inseln. So eine Insel für den Kinderfilm ist Achim auch. Dadurch wird der Kinderfilm lebendig gehalten. Das ist wichtig, denn allgemein glaube ich, Kinderfilmer haben mehr vom Leben. Kinderfilmer merken, dass es noch Schmetterlinge gibt. Dass ein Spaziergang am Meer bei Regen etwas Erholsames ist. Kinderfilmer entdecken, wenn sie durch Achim gehen, dass da ein Haus ist, in dem Honigkuchen hergestellt wurde. Ein Stück von dieser Lebensqualität können wir Regisseure durch unsere Filme auch an die Kinder weiterreichen.«

Im Mai 1995 wurden in Kooperation mit dem Stadtjugendring Achim die 1. Achimer Filmtage veranstaltet. Zu dem Thema »Zukunft ohne Vergessen - 8. Mai 1945 - 8. Mai 1995« liefen im Jugendzentrum Achim und im Kulturhaus »Alter Schützenhof« Filme zum 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges.
»Das Kommunale Kino Achim hat zu den Veranstaltungen zum Kriegsende einen ganz besonderen Beitrag geleistet: Es zeigte nicht nur zahlreiche Filme, sondern sorgte am Freitag auch für ein passendes Beiprogramm. Zur Vorführung des Filmes »Swing Kids« kam der Zeitzeuge Günther Discher. Außerdem spielte die Big Band des Cato Bontjes van Beek-Gymnasiums … Zu der Geschichte der Swing-Musik hatte Günther Discher so einiges zu erzählen: Mit den Kapellen der Ozean-Dampfer kam die Musik von Amerika nach Deutschland. Auch viele Nazi-Größen hörten diese Musik in den Tanzpalästen Deutschlands. Dennoch verboten sie die »undeutsche Musik«. Jugendliche, die sich dem Verbot widersetzten, drohte das Arbeitslager. Hier sollten sie auf den richtigen Weg zurückgeführt werden. Von nun an mussten die jungen Leute ihre Musik heimlich hören, die Platten heimlich kaufen und in der ständigen Angst leben, entdeckt zu werden. Im Krieg wurde die Swing-Musik auch zu Propaganda-Zwecken gebraucht: Die Amerikaner schufen eine Big Band, um amerikanische und deutsche Soldaten zu unterhalten. Ein deutsches Orchester spielte Swing Musik, deren Texte sich gegen die Aliierten richteten. Einige Beispiele hierzu hatte Günther Discher auch mitgebracht. Diese spielte er mit sichtlichem Vergnügen seinem Publikum vor. Zwischendurch trat die Big Band auf und rundete so den Abend musikalisch ab …«
(Achimer Kreisblatt, 9.5.1995)

1996 vertrat das Kommunale Kino Achim Norddeutschland bei einem bundesweiten Modellprojekt des Bundesministeriums für Familie.
Das Kinder- und Jugendfilmzentrum in Remscheid betreute die insgesamt sechs Spielstätten, die das »Kino für jung und alt« anboten. Ausgangspunkt des Modells war der Gedanke, dass Kinder und Senioren nur noch selten unter einem Dach zusammen wohnen, sich ihre Beziehung zueinander zumeist zu einem reinen Besuchsverhältnis entwickelt hat. Der gemeinsame Kinobesuch sollte Großeltern und Kinder wieder in Kontakt miteinander bringen.


 


So startete am 30.Juli 1996 die MS Allerland an der Ueser Brücke zur »Bootsfahrt mit Huhn«. Während der rund dreistündigen Weserfahrt wurde der Film »Flußfahrt mit Huhn« gezeigt, praktisch am Drehort, denn der Film ist auf der Weser gedreht worden.

 

Am 29.August 1996 stimmte der Badener Schüler-Chor »Poco« auf den Musical-Klassiker DER ZAUBERER VON OZ ein, mit dem das Modellprojekt erfolgreich beendet wurde.
Die im Achimer Stadtzentrum agierenden Kulturvereine, der Kunstverein Achim, die Musikerlnneninitiative Achim und umzu, das Kommunale Kino Achim und das Kulturhaus Alter Schützenhof haben zur Sonnenwende am 21.Juni 1997 gemeinsam einen Tag gestaltet. Als Leitgedanke der Veranstalter galt:
Uns bewegt, gemeinsam auf uns aufmerksam zu machen, uns miteinander aufeinander zu zu bewegen, auch andere zu bewegen, sich zu bewegen, Zusammenhalt herzustellen, miteinander zu feiern.
An öffentlichen Orten, verbunden mit bisher ungenutzten Orten vor und in den beteiligten Einrichtungen, wurde dieser Tag mit einer Achimer Programm-Mischung aus Umzug, Tag der offenen Tür und Fest gefüllt und geriet zu einem großen Erfolg. Der Koki-Beitrag JENSEITS DER STILLE wurde mit über dreihundert Zuschauern zum größten Erfolg in der Geschichte des Kommunalen Kinos.

Noch vor dem Bundesstart stellte am 16. Dezember 1997 die Regisseurin Connie Walther ihren Debütfilm DAS ERSTE MAL im Koki vor. Sie diskutierte nach den zwei Vorstellungen mit Schülerinnen und Schülern der Realschule Achim über ihren Film, in dem es um ein junges Mädchen geht, das
erste sexuelle Erfahrungen macht. Connie Walther ist inzwischen sowohl im Film- wie auch im Fernsehbereich sehr erfolgreich tätig.

Mit einem rein deutschen Filmprogramm feierte das Koki am 30. April 1998 seinen 20. Geburtstag. Parallel liefen im Kino 1 (großer Saal) und Kino 2 (Clubraum) fünf Produktionen bis in den 1. Mai hinein. Neben einer zusammengeschnittenen »Odeon-Rolle« mit alten Werbespots und Trailern gab es für alle Besucher ein Buffet und in den Pausen Eis aus dem Bauchladen.

Im Januar 1999 begann eine neue tontechnische Ära im Kommunalen Kino. Nachdem bis Ende Dezember 1998 die Filme lediglich in Mono gezeigt werden konnten, wurde zur Jahreswende eine Dolby-SR-Anlage eingebaut. Neben den drei Lautsprechereinheiten direkt über der Leinwand sorgen eine zusätzliche Bassbox und zwölf Effektlautsprecher für den perfekten Raumklang. Finanziert wurde die Anlage von der Stadt Achim, der Stiftung der Kreissparkasse Verden, der Niedersächsischen Landestreuhandstelle für Wirtschaftsförderung und der Niedersächsischen Lottostiftung.

50 Jahre Stadt Achim - unter diesem Motto stand im September 1999 eine Veranstaltungsreihe, an der sich auch das Kommunale Kino beteiligte. Bei der Zusammenstellung des dreitägigen Kinoprogramms hatte das Koki versucht, einen repräsentativen Querschnitt durch die deutsche Filmgeschichte in den vergangenen 50 Jahren zusammenzustellen. Jeder Film stand in seiner Art für zentrale Aspekte eines Jahrzehntes. Zudem fasste das Programm die verschiedenen Stile der Filmkunst zwischen amüsanter Unterhaltung und intellektuellen Experimenten zusammen.


Noch einmal sollte das Kommunale Kino in die Räumlichkeiten des CORSO-Kinos zurückkehren: Am 6. November 1999 wurden dort als Kooperation mit den Kinobetrieben Rabenecker die drei Filme TRUE STORIES, LENINGRAD COWBOYS GO AMERICA und DER KLEINE HORRORLADEN gezeigt. Kurze Zeit später übernahm die Moll und von Reken GbR das CORSO. Gegen das 10 Kilometer entfernte Multiplex-Kino konnten sich die neuen Betreiber jedoch nicht behaupten.


Seit 1995 veranstalten die Kommunalen Kinos ihren bundesweiten Aktionstag, der an die erste öffentliche Filmvorstellung in Berlin im Jahre 1895 erinnern soll. Im Jahre 2000 stand der Dokumentarfilm im Mittelpunkt der Programme. Im Koki Achim lief die Realsatire DECKNAME DENNIS. Der Regisseur Thomas Frickel war zu Gast und stellte sich den vielen Fragen des Publikums.

Nach der tontechnischen Verbesserung 1999 bekam das Koki im Mai 2001 eine neue Leinwand. Mehrere große Risse in der alten Leinwand hatten das Sehvergnügen schon seit langer Zeit beeinträchtigt. Außerdem wirkte das Bild durch die fehlende Kaschierung «ausgefranst«. Die neue Leinwand mit einer Außenfläche von 800 mal 365 Zentimetern und einer Projektionsgröße von 740 mal 310 Zentimetern verfügt jetzt über eine Kaschierung, die ein gestochenes, abgegrenztes Bild bietet.

Nach fast zwei Jahren Leerstand wäre im Juni 2002 beinahe die Reaktivierung  des CORSO-Kinos erfolgt: Während des Umbaus des Alten Schützenhofs und dem Abriss des Koki-Saals wollte das Kommunale Kino die Räumlichkeiten als Übergangsdomizil nutzen. Letzendlich gaben die hohen Instandsetzungskosten und das schleppende Interesse des Eigentümers fürs Koki den Ausschlag, das Kino nicht zu nutzen. Inzwischen ist das CORSO endgültig Geschichte, das Haus wurde zwischenzeitlich auch abgerissen.

 


Das Kommunales Kino konnte am 7. März 2003 mit dem Film ROTER SATIN den Betrieb in dem neu gebauten Saal des Kulturhauses wieder aufnehmen.

Ob die »Mushroams« 400 Achimern einheizen, Stummfilme live am Klavier begleitet werden oder eine Big Band für den musikalischen Rahmen eines Filmabends sorgt - die Spielstätte des Kommunalen Kinos Achim bietet vielseitige Möglichkeiten. .


Die Filmvorführung ist in Achim an den Ausgangspunkt ihrer 100jährigen Geschichte zurückgekehrt - wie 1897 in Knoche's Hotel "Stadt Bremen" werden die "lebenden Photographien" wieder in einem Mehrzwecksaal gezeigt.

Die Texte auf dieser Seite entnahmen wir der Dokumentation "100 Jahre Film- und Kinogeschichte in Achim", sowie unserem Programmheft zum 25jährigen Kinojubiläum. 

 

 

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